
Carl Kraus
Spiritual Significance - Gurschners Bildthemen & ihre Rezeption in England
Mit fiebrigen Augen blickt der junger Maler aus dem Bild, ganz nahe an den Betrachter gerückt, die linke Hand in einem Abwehrgestus vor die Brust gesetzt. Davon abgesetzt sehen wir eine Fabriksstadt, in der hetzende Menschen einer Versammlung zuströmen. In einem zweiten, einige Jahre später entstandenen Selbstbildnis, das neben expressionistischen nun auch neusachliche Elemente zeigt, wird Herbert Gurschner in seiner Abwehrhaltung noch konkreter. Der unbestimmte Blick und die Hände suggerieren jetzt mehr eine Entrückung, und der Künstler ist in einem zeitlosen Malerkittel gekleidet, dessen "mystisches" grünliches Gelb sich in der "Golgotha"-Landschaft des Hintergrundes wiederfindet - dazwischen die feindliche Arbeiterstadt mit den Fahnen schwingenden "Proletariern" in dunklem Rot. Die Botschaft ist unschwer zu verstehen: Der Künstler deklariert seine Distanzierung von der materiellen Welt, insbesondere von der Arbeiterwelt, und seine Zugehörigkeit zum Geistig-Religiösen. Damit kehrt er gewissermaßen die Symbolik von Waldes Porträt Alfons Petzolds um, von dem sich Gurschner u. a. anregen ließ.
